In Gedenken an einen legendären Kaprioleur:
SIGLAVY PERLA-26
(4.1.1975 / 13.12.2005)

Video

Die Regenbogenbrücke

Eine Brücke verbindet Himmel und Erde. Wegen der vielen Farben nennt man sie “Brücke des Regenbogens”.
Auf dieser Seite des Regenbogens liegt ein Land mit Wiesen, Hügeln und saftigem, grünen Gras.
Wenn ein geliebtes Tier auf Erden für immer eingeschlafen ist, geht es zu diesem schönen Ort. Dort gibt es immer zu fressen, zu trinken und es ist warm - es ist schönes Frühlingswetter.
Die alten und kranken Tiere sind hier wieder jung und gesund. Sie spielen den ganzen Tag zusammen. Es gibt nur eins, was sie vermissen:
Sie sind nicht mit ihren Menschen zusammen, die sie auf Erden so geliebt haben.
So rennen und spielen sie jeden Tag zusammen, bis eines Tages plötzlich eines innehält und aufsieht:
die Nase bebt, die Ohren stellen sich auf und die Augen werden ganz groß!!!
Plötzlich rennt es aus der Gruppe heraus und fliegt förmlich über die grüne Wiese. Die Beine tragen es schneller und immer schneller. Es hat Dich gesehen!!!
Und wenn Du und Dein spezieller Freund einander treffen, nimmst Du ihn in Deine Arme und hältst ihn fest.
Dein Gesicht wird wieder und wieder geküsst , und Du schaust in die Augen Deines geliebten Tieres, das solange aus Deinem Leben verschwunden war, aber nie aus Deinem Herzen.
Dann überschreitet Ihr gemeinsam die Brücke des Regenbogens, um nie wieder getrennt zu sein.


Vielleicht kitschig, kindisch, ich weiss es nicht. Aber ich muss irgendwie verarbeiten, dass unser geliebter "Brauner" gestern, am 13.12.2005 um 20.16 Uhr eingeschläfert werden musste..

Klar, kann man sagen: das Pferd war alt, SEHR alt, mit seinen 31 Jahren,
Klar kann man sagen: er hatte es doch soooo gut bei euch,
klar kann man sagen: ihr habt doch einen wundervollen Sohn von ihm.
Man kann auch sagen: erinnere dich an die schöne Zeit mit ihm.

Tut alles nur weh. Wer kennt das nicht, der Tiere über Jahre hinweg als treue Gefährten an seiner Seite hat.
Fakt ist, dass der Hengst 16 Jahre zu unserem Alltag gehört, dass er uns viel beigebracht hat und dass wir ihm sehr viel zu verdanken haben, was unser Verständnis und unseren Umgang mit den Lipizzanern angeht.

Daher bekommt er seinen Platz auf unserer Homepage, damit auch die, die ihn nicht kannten, sich an einen SIGLAVY PERLA-26 erinnern werden.

SOMMER 1990

Wir machen einen Ausflug nach Wien. Das MUSS von Zeit zu Zeit sein. Lipizzanerhengste anschauen. Nicht zum kaufen, nur gucken. Sie sehen halt so zauberhaft schön aus, diese Hengste in der Manege der Spanischen Reitschule.
Aber wir haben Pech. Die Schule ist ZU. Sommerpause. Ein bisschen ratlos stehen wir da und beschließen spontan: wir schummeln uns irgendwie in die Sommerresidenz der Spanischen, den Lainzer Tiergarten.
Durfte man damals eigentich gar nicht rein, aber was tut man nicht alles, um den Wiener Stars auf 4 Beinen näher zu kommen. Irgendwie haben wir es auch geschafft und tapern auf leisen Sohlen durch die Stallgasse der Lipizzaner-Urlaubsstätte.

Wunderschöne Augen mit faszinierenden Köpfen schauen uns an, beobachten uns mit dieser vornehmen Zurückhaltung und doch voller Interesse.
Mein Mann bleibt an einer Box wie festgewurzelt stehen und sagt: mein Gott, ist der schön! Er steht vor der Box des 15-jährigen Hengstes SIGLAVY PERLA-26. Riesige dunkle, wache Augen schauen uns an. Adel und Persönlichkeit gepaart mit liebreizendem Charme, dass der Atem stockte. Der kastanienbraune Hengst hat auf seinem Rücken Platz für zwei Sättel, so lang ist er, und er ist klein, SEHR klein. Aber mit seinem Stockmaß von 151 cm ist er unter den ganzen Hengsten, die wir dort sehen, der GRÖSSTE, denn seine Aura machte die fehlenden Idealmaßzentimeter wett.

Wir schauen noch die restlichen Pferde an, gehen nochmal an der Box von Siglavy Perla vorbei und verlassen den Lainzer Tiergarten.

Auf dem Weg zurück in die Stadt unterhalten wir uns. Mein Mann erwägt nachzufragen, ob man uns diesen Hengst eventuell irgendwann verkaufen würde. Diesen Gedanken verwerfen wir allerdings, denn ein solches Pferd gibt sicherlich keiner aus der Hand.

Unser Kurzurlaub dreht sich plötzlich nur noch um den kleinen Charmbolzen. Wieder daheim angekommen raffen wir allen Mut zusammen und kontaktieren die Leitung der Spanischen- im vollen Bewusstsein, dass wir zwar eine Absage bekommen, aber wer nicht wagt...

Zu unserer absoluten Verwunderung wird uns spontan gesagt, dass der Hengst durchaus abzugeben wäre. Auf die Erklärungen WARUM verzichte ich hier. Wir vereinbaren einen weiteren Besuch in Wien, um uns den Hengst eingehender anzuschauen. Und um ihn unter dem Reiter zu sehen.

NOVEMBER 1990

Unruhig und spannungsgeladen tippeln wir in aller Frühe vor der Hofburg herum. Es ist so weit. Wir haben unser DATE mit SIGLAVY PERLA. Die Zeit bis halb 9 zieht sich hin wie Kaugummi. Während unseres Wartens beobachten wir, wie die Hengste zur Arbeit über die Straße von der Stallburg in die Hofburg geführt werden. Plötzlich sehen wir ein dampfendes, kleines braunes Etwas, das von der Arbeit in den Stalltrakt geführt wird. Leicht verwundert schlussfolgern wir, dass der Braune wohl ein etwas feuriges Pferdchen sein muss und entsprechend unseres Interesse schon mal eine Runde "gemangelt" wurde. Unsere Skepsis steigt.

Perlchen in der Stallburg


Nach einem Vorgespräch ist es dann so weit: ich darf in den Sattel des Hengstes und unter den Kronleuchtern in den heiligen Hallen einen Ritt auf dem braunen Traum absolvieren. Aber wir haben schon unsere Erfahrungen und lassen erst einem Bereiter den Vortritt. Wenn der Herr Bereiter den Hengst z.B. schon nicht an den Zügel bekommt, dann brauche ich das erst gar nicht versuchen. Man weiß, was man kann, uns vor allem weiß man, was man NICHT kann! Das, was wir sehen, sieht schön aus: ein aufmerksames Pferdchen läuft im Travers hin- und her, dreht wunderschöne Pirouetten- tanzt uns was vor. Wir fragen dann auch nach Galoppwechseln und das Gesicht des Bereiters verändert sich leicht ins Weissliche. Er nimmt Anlauf und zeigt uns EINEN fliegenden Wechsel, den der Hengst auch springt, danach allerdings erstaunlich "flott" im Galopp wird. Nun denn, ich versuche es. Ich werde das NIEMALS vergessen, alleine die Aufregung, dass ICH DAAAAA reiten darf. Man hievt mich herzlich in den Sattel und wir schritteln erst mal in der Gegend rum. Das Tier unter mir verkrampft sich, aber es bleibt dabei gehorsam. Langsam entspannen wir uns beide und drehen temperamentvolle, zügige, aber angenehme Runden im leichten Trab.

FOTOGRAFIEREN VERBOTEN!

Das Schild prangte meinem Mann entgegen, daher unter
der Hand und mal schnell *klick*- aber trotz aller Mängel
eine einfach traumhafte Erinnerung.

1. Oberbereiter Tschautscher kommentiert unseren noch halbwegs kultivierten Renntrab mit: das klappt ja erstaunlich prima. Da wagen wir doch auch einen Galopp. Hihi- wagen. Ich hätte das Wort deuten sollen. Aber ich hab mich so wohl gefühlt- irgendwie. Also, KLASSISCH aus dem Schritt nur mit WISCHEN des äußeren Schenkels angaloppieren- so das Kommando des Oberbereiters. Das geht klasse und klasse und noch mal klasse, also richtig klassisch. Auch mein Betreuer in der Bahn findet das und meint, wir sollen doch mal "auf die große Tour" gehen, sprich GANZE BAHN. Ich sehe die Bereiter aus den Augenwinkeln alle den Hufschlag frei machen- spätestens jetzt hätte ich was ahnen müssen. Aber das traumhafte Schaukeln unter mir hält mich im Bann. Also GANZE BAHN. Ab da hätte ich eine gute Stuntfrau für einen Western abgegeben, denn das brave, kleine Tier unter mir mutiert zu einem Ferrari der Extraklasse und rast plötzlich in einem Höllentempo los. Ich sehe im Vorbeidonnern grinsende Bereiter im Sicherheitsabstand. Man hätte ein Streichholz fallen hören können in diesen Sekunden. Die königliche Stille in der Arena wird dann durchbrochen, denn ich kann mich nicht beherrschen und lache laut los, während "Rennschwein Babe" mit durch die heiligen Hallen rast. Das fiese Grinsen von einigen Gesichtern verschwindet und weicht überraschten Miene.

Wir verabschieden uns mit den Worten"wir melden uns" und fahren heim. Wir wissen: den Hengst kaufen wir NICHT. Zu klein für meinen Mann zum Reiten und leicht bis hochgradig irre. Auf der 800 Kilometer langen Fahrt finden wir heillos viele Gründe, warum wir den kleinen Kaprioleur NICHT wollen. Wir kommen daheim an, melden uns in der Spanischen und sagen, dass wir das Pferd nehmen.


Was danach folgte waren wundervollen, schwierige, lehrreiche Jahre, in denen uns ein kerngesunder Hengst mal zur Weisglut brachte, mal zu Tränen rührte, uns lehrte, wie man ZUSAMMEN arbeitet. Ein Pferd, das einen grenzenlosen Kampfgeist besaß.

Er war in all den Jahren, die er bis gestern bei uns verbrachte, immer ein grundehrlicher Charakter, sprang mit Begeisterung seine hochkarätigen Kapriolen, siegte auf Zuchtschauen und verzauberte JEDEN, der mit ihm in Berührung kam.

EIN EINMALIGES PFERD, das wir mit extremer Trauer auf dem Weg zu den ewigen Weiden bis zur letzten Sekunde begleitet haben. Mit dem Bauch voller Zuckerstückchen trat er diese Reise an. In unserem Herzen behält er seinen Platz:

DER GROSSE KLEINE HENGST DER SUPERLATIVE

Rest In Peace, Perlchen!

*

Hatten nicht eher die Gelegenheit zu reagieren, haben aber auch inzwischen das beeindruckende Im Memoriam gelesen. Glaub mir, wir weinen mit.
Liebe Grüsse,
Y&A

*

Liebe Ilona,
ich kann nicht vorbeikommen und Dich in den Arm nehmen, aber fühl Dich
virtuell gedrückt! Ich weiß es tut weh und er fehlt, jedes Mal wenn Du in
den Stall gehst. Aber nun tut ihm nichts mehr weh! Er lebt in unserer
Einnerung und in seinen Kindern und Enkeln weiter!
Ganz herzliche Grüße B.

*

Kann mit dir mitfühlen,weiss,wie sehr du an deinen Tieren hängst.
Würd dir gern etwas tröstliches sagen,aber das ist so schwierig mit Worten. F.

*

Liebe Fam.Kirsch!
Ich habe soeben Ihre hompage gelesen- ich bin wirklich mit Ihnen traurig- schade um diesen schönen und berühmten Herren alter Rasse!
Es ist nicht kitschig oder kindisch um ein Pferd zu trauern und schon gar nicht um einen Siglvy Perla!
Es ist müßig frohe Weihnachten zu wünschen,doch ich tue es trotzdem und-aus eigener Erfahrung- :
der Weg den Sie mit diesem Pferd gegangen sind,war Ihr Weg mit einem wundervollen Tier,nicht mit einem Lipizzaner(aus Piber),nicht mit einem Meister(aus der Spanischen)sondern mit Ihrem Hengst!
J.A.

*


Sehr geehrte Frau Kirsch,
mit großem Mitgefühl und tränengetränkten Augen habe ich den Nachruf an Ihren Siglavy Perla 26 gelesen. Jeder wirkliche Pferdefreund und vor allem ein Lipizzaner-Mensch kann Ihre Gefühle sehr wohl nachvollziehen. Mit Stolz können Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken ein solches Pferd gehabt zu haben mit einer solchen Geschichte. Sehen Sie ihm immer wieder in seine Pferdeaugen, die kann man nie vergessen.
Trost gibt es nicht viel, es ist als wenn ein Teil von einem selbst geht. Doch muss das nicht so sein?
K.B.

*

Das tut mir leid, Kind! Ich weiß, wieviel euch dieses Pferd bedeutet hat. Der Schmerz möge vergehen, die Erinnerung bleiben!
Alles Liebe. Vati

*

Habe heute Nacht wunderschön von Perla geträumt, dass es ihm gut geht, wo auch immer er jetzt ist. Sein Foto steht direkt neben meinem Bett und auch unser Kleiner betrachtet es schon mit zunehmender Faszination. Habe auf der Homepage gesehen, dass auch Perlas Nachwuchs sich ganz toll entwickelt - sieht wirklich klasse aus! Ich hoffe, ich werde mal Gelegenheit haben, ihn live zu begutachten. Naja, jedenfalls habe ich auch gerade den schönen Nachruf auf Perla gelesen, den du geschrieben hast und sitze jetzt hier in meinem Büro und bin am Heulen. Du weißt ja, wie verliebt ich immer in ihn war...Seine Bilder sind auch immer mit mir umgezogen und sogar in meiner Brieftasche habe ich ihn noch. Ich wünsche Euch, dass der Nachwuchs charakterlich genauso unverkennbar und unvergesslich wird wie der Papa.

*